Interview mit Châlice

English version will be published on Metal On Loud Magazine asap

ChâliceRK: Ich sitze hier vor der Show zusammen mit Gino (voc), Steve (b),  Oliver (g), Michael (dr), Axel Hoffmann (keyb) von der Hamburger Rockband Châlice im Backstage-Raum von Marias Ballroom in Hamburg-Harburg. Stellt Châlice doch bitte kurz vor.

Châlice: Es gibt Châlice seit Anfang der 90er Jahre. Wir machen also schon ewig melodiösen Hardrock in den verschiedensten Schattierungen, wir haben sieben Alben gemacht, wir sind ganz viel auf Tour gewesen, mit ganz illustren Leuten. Ja und wir sind immer noch hier, wir haben die Konkurrenz schlicht und einfach überlebt.

RK: Konzerte, das ist mein Stichwort. Ihr seid unter anderem mit Deep Purple, Doro und vielen anderen, ich sage mal, lebenden Legenden getourt. Wie war das mit solchen großartigen Musikern auf Tour zu sein?

ChâliceChâlice: In den meisten Fällen war es echt eine supercoole Zeit. Ganz viele nette Leute kennengelernt, haben tolle Shows spielen dürfen. Es war einfache eine geile Zeit, mit denen unterwegs zu sein. Haben tolle Hallen gesehen, viel tolle Fans getroffen, die auch immer sehr offen waren für uns, und das war einfach großartig. Es wird Zeit, dass wir wieder auf Tour gehen.

RK: Zwischen 1995 und 2005 habt Ihr fünf Alben produziert.

Châlice: Wenn Du das sagst…

RK: 2007 erschien noch Euer Unplugged-Album. Aber eigentlich war da zehn Jahre Ruhe. Was ist passiert?

Châlice: So lange? Wir sagen in solchen Fällen immer gern, wir haben in der Zwischenzeit gelebt. Wir haben alle sehr viel um die Ohren gehabt, also von Kindern über Scheidung, Hochzeiten … also alles, was irgendwie so geht. Und wir sind einfach langsamer geworden, es ist zwar immer sehr viel passiert. Wir haben sehr viele Dinge erlebt, die wir dann wieder verarbeiten konnten zu Songs, das war cool.

ChâliceDer große Vorteil bei uns ist ja wir müssen davon nicht leben. Also können wir uns Zeit nehmen und müssen nicht jedes Jahr irgendwelchen Scheiß veröffentlichen. Wir haben gute Songs geschrieben in der Zeit.

RK: Wie kam es dazu, dass Ihr Euch nach dieser langen Pause wieder zusammengesetzt habt, um ein neues Album zu produzieren.

Châlice: Wir haben uns in der gesamten Zeit immer gesehen, haben immer musiziert. Irgendwann hat Oli, der ist ja bei uns die treibende Kraft, gesagt, “Jungs wir müssen mal wieder etwas machen”. Zum Teil sind die Songs ja in dieser Zeit entstanden und über mehrere Jahre gewachsen. Was für die Songs sehr gut war. Zum Teil sind die auch live erprobt. Wir haben dadurch die Chance gehabt, an den Songs zu arbeiten.

ChâliceRK: Wie funktioniert bei Euch so das Songwriting, geht Ihr in den Probenraum und jammt gemeinsam oder kommt jemand mit einer fertigen Idee?

Châlice: Meistens kommt irgendeiner an mit irgendwas, mit einem Riff, ein paar Akkorden, einer Textlinie oder eine Melodielinie von Michael. Dann wird das so lange durch den Wolf gedreht, bis es nicht mehr wieder zu erkennen ist und allen gefällt. Derjenige, der damit ankam, muss gute Nerven haben, weil das Ergebnis meist ganz anders ist als die ursprüngliche Idee. Das macht es aber teilweise auch sehr schwierig, weil alle ihre Meinung einbringen. Bei “Turn Away”, der aktuellen Single vom Album “Overyears Sensation”, z.B. hat es sehr lange gedauert. Da haben wir mindestens drei verschiedene Versionen gehabt und jedes Mal war mindestens einer damit unzufrieden. Dann haben wir den Song beiseitegeschoben, haben etwas anderes gemacht und haben ihn immer wieder herausgeholt, weil wir dachten, das ist eigentlich ein geiler Song. Und so hat sich das dann entwickelt. Wir wollen eben am Schluss ein tolles Ergebnis haben, mit dem wir alle zufrieden sind.

ChâliceMan muss auch sagen, dass wir ja auch schon viel früher fertig waren. Wir haben dann eine Vorproduktion gemacht, haben von mehreren Leuten mischen lassen, um zu sehen, wer macht das am besten. Und darüber haben wir auch ganz lange diskutiert.

RK: Und müssen wir auf das nächste Album wieder zehn Jahre warten oder geht das dieses Mal etwas schneller?

Châlice: Das geht total schnell.

Neun. Wir laufen rückwärts, das nächste dann nur acht. (Gelächter)

Also ich habe nach dem letzten gesagt, jetzt könnten wir eigentlich direkt weiter schreiben, wir sind gerade so “in the flow”.

Wir hatten selber auch das Gefühl, das es etwas lange gedauert. Inzwischen liegt auch eine konkrete Idee für eine neue EP vor, die wir recht zeitnah in Angriff nehmen wollen.

ChâliceRK: Wie definiert Ihr eigentlich Euren Sound? Eine richtige Schublade gibt es ja eigentlich nicht.

Châlice: Eigentlich wollen wir den gar nicht definieren, weil wir sagen lass doch die Hörer das definieren. Es gibt bestimmte Trademarks, die uns wichtig sind, wir mögen so richtig heavy Gitarre. Und was uns allen wichtig ist, dass da Melodien drin sind. Die einzelnen Bandmitglieder haben Unterschiedliche Einflüsse und Vorlieben. So entstehen dann auch unterschiedlichste Songs. Es ist nicht alles so ein Mischmasch sondern es sollen abwechslungsreiche Alben entstehen. So ist es oft nicht leicht für uns bei den Kritiken, da viele es lieber mögen, wenn es nur eine Schublade gibt. Aber wir haben das Glück, dass wir davon nicht abhängig sind. So machen wir eben Songs, die uns gefallen.

RK: Was können wir in Zukunft von Euch erwarten. Zurzeit spielt Ihr ja hin und wieder einen Gig. Wollte Ihr auch wieder richtig auf Tour gehen?

ChâliceChâlice: Es ist auf jeden Fall unser Wunsch wieder auf die Bretter zu gehen, da wir da ja auch hingehören. Es funktioniert und macht Riesenspaß. Es ist aber nicht leicht. Der Markt hat sich stark geändert, dass man immer mehr überlegen muss, wie Du auf so eine Tour rauf kommst. Wir  haben uns entschieden, dass es gut ist als Support zu spielen, weil wir einfach viele Menschen erreichen. Das macht mehr Sinn als für den gleichen finanziellen Aufwand in München zu spielen und vielleicht nur 50 Leute vor der Bühne stehen zu haben. Dafür muss man aber viele Leute kennen und auch Glück haben. Die Konditionen werden jedoch immer schlechter und wir sind nicht bereit, an vermeintlich kleine Bands einen Betrag zu zahlen, um mit auf Tour zu gehen. Bei großen Bands kann man darüber nachdenken.

RK: Wir können also in der Zukunft eine neue EP oder Album erwarten, Ihr wollt wieder auf größere Tour gehen.

Châlice: So ist es zumindest geplant.

RK: Es wird somit eine spannende Zeit, auch für uns Fans. Ich bedanke mich bei Euch für dieses interessante Interview.

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