Voices Of The Succubi 2017

Ort: Château Buskett (Malta)
Datum: 01./02. September 2017

Die kleine Mittelmeer-Insel Malta ist Austragungsort mehrerer Rock- und Metal-Festivals. Über das Jahr verteilt sind das u.a. das Dark Winter Meeting, Metal Over Malta, Malta Doom Metal Festival – um nur einige zu nennen. Seit einem Jahr ist ein weiteres Festival hinzugekommen – Voices Of The Succubi. Das VOTS ist Bands mit Sängerinnen vorbehalten. Es füllt eine Lücke, die durch das Aus anderer ähnlicher Veranstaltungen gerissen wurde. Das Festival war zunächst als eintägige Veranstaltung geplant. Wenige Wochen vorher wurde dann in Kooperation mit den Veranstaltern von Metal Over Malta und dem Female Metal Event in Eindhoven (FEMME) ein Tag hinzugefügt. Eingebettet in die Veranstaltung sollte ein Band Battle für das FEMME 2018 durchgeführt werden. Jeweils zwei Bands pro Tag bewarben sich um zwei Plätze für das Halbfinale. Doch dazu später mehr. Alle Bilder kann man auf Flickr anschauen.

Gegen halb neun startete die erste Band im Rahmen das Band Battles, TheGuardian aus der belgischen Hafenstadt Antwerpen. Mit energiegeladenen melodischen Metal wollten sie Publikum und Jury von ihrem musikalischen Können überzeugen. Vor allem beim selbstbetitelten “We Are TheGuardian” gelang das auch recht gut. Hier konnten sie die anwesenden Fans zum Mitmachen und Mitsingen animieren. Mit Solitude Within, ebenfalls aus Belgien, folgte die zweite Band des Battles. Symphonischer Metal im Stil von Delain, Evanescence oder Therion. Stimmlich erinnert Sängerin Emmelie Arents an Charlotte Wessels oder Amy Lee. Leider war der Gesang etwas schlecht abgemischt und kam nur recht leise aus den Boxen.

Stilistisch völlig anders präsentierten sich im Anschluss Psideralica aus Palma de Mallorca. Die Spanier zelebrierten Industrial Metal mit einer poppigen Schlagseite. Von der eigentlich vierköpfigen Band stand an diesem Abend lediglich ein 2.0 Electronic Set auf der Bühne. So nannte es Toni Kernel, Gitarrist der Band. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lady Marian brannte er ein wahres Pop-Heavy-Riff-Feuerwerk ab. In einem Statement zeigte er sich beeindruckt, mit welcher Begeisterung dieses Set von Fans aufgenommen wurde.

Anschließend beeindruckte mich Anna Holtz mit ihrem glockenklaren Sopran, der hin und wieder durch ein kräftiges Vibrato veredelt wurde. So eine Stimme habe ich bisher selten gehört. Gemeinsam mit ihrer Band Desdæmona aus der Lagunenstadt Venedig demonstrierte sie die hohe Schule des symphonischen Power-Metal.

Zum Headliner des Abends, den Lokalmatadoren Weeping Silence, muss ich an dieser Stelle nicht mehr viel sagen. Ich konnte die Band bereits mehrfach live erleben, u.a. beim Metal Over Malta. Der Schwerpunkt des knapp einstündigen Sets lag auf dem aktuellen Album “Opus IV Oblivion”. Mit “Second Age Of Death” stellte Band aber auch einen neuen Song vor. 

Der zweite Tag wurde moderiert von Model und Performance-Künstlerin Dani Divine. Der Abend startete mit der wohl eigenwilligsten Show des Festivals – Viper Soup Complex, die ich bereits im Vorjahr beim MoM erleben konnte. Zunächst wurde symbolisch ein Schwan gerupft. Dann wurden blutige Tücher auf eine Leine gehängt. Und eine “Koch-Show” stand auch auf dem Programm. Hierfür holte sich Sängerin Annemarie Spiteri einen Fan aus dem Publikum auf die Bühne. Auch sonst lieferte sie eine äußerst theatralische Show ab. Gesanglich präsentierte Annemarie ihr klare Stimme, wechselte gelegentlich zu opernartigen Passagen oder auch zu bösen Growls.

Anschließend rockten Wolfsinger aus Norditalien die Bühne des Château. Das war klassischer Heavy Metal, gekrönt von der kraftvollen Stimme von Raffaella Santini. Mit viel Power ging es auch danach weiter. Blind Saviour aus Malta stellten ihr aktuelles Album “The Master Plan” vor, auf dem die Band die Zuhörer auf eine Zeitreise in das Jahr 2229 mitnimmt. Mit ihrem Power-Metal konnte die Band mich auch live begeistern.

Nach einer artistischen Performance war es dann Zeit für die nächste Band im Rahmen des Band Battles. Bis auf “Seven Angels” präsentierten die Luxemburger von Elysian Gates ihr aktuelles Album “Crossroads”. Und die Musiker legten richtig los. Sie strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Mit ihrem eindrucksvollen Auftritt begeisterten sie alle anwesenden Fans. Sängerin Noémie Leer zeigte von hohem sauberen Klargesang bis hin zu derben Growls eine große gesangliche Bandbreite und die Gitarristen Sue Scarano und Guy Christen glänzten durch eine Vielzahl genialer Soli. Für mich war das die beste Show des gesamten Festivals.

Danach konnte man bei den doomigen Klängen von Lightless Moor ein wenig verschnaufen. Der Klargesang von Ilaria Falchi wurde durch dezente Growls von Gitarristen Federico Mura begleitet. Da der etatmäßige Schlagzeuger Stefano Spanu erkrankt war, wurde die Band durch Alessandro Castellano (Acts Of Tragedy, Dogmatica) an der Schießbude unterstützt.

Der zweite Beitrag des Tages zum FEMME Band Battle war dann etwas sperriger. Esperoza waren aus Moldawien angereist. Sängerin Zoya Belous beeindruckte durch eine enorme stimmliche Bandbreite, von hohem Operngesang bis hin zu bitterbösen Death Metal Growls. Allerdings sprang der Funke bei dem Extreme Metal nicht so recht auf das Publikum über. Viele Melodie- und Rhythmus-Wechsel sorgten für eine schwerverdauliche musikalische Kost.

Als dann Enemy of Reality auf die Bühne kamen, war der Zeitplan schon kräftig durcheinandergeraten. Da die Griechen um Sopran Iliana Basileios Tsakiraki mit einer Stunde Verspätung starteten, mussten sie ihre Setlist kürzen. Trotzdem ließen sich die Musiker den Spaß nicht verderben und lieferten ihren symphonischen Metal auf hohem Niveau ab. Leider zwangen mich Rückenschmerzen das Festival während dieser Show vorzeitig zu verlassen, so dass ich den Auftritt des Headliners [IN MUTE] nicht mehr miterleben konnte.

Souveräner Gewinner des ersten Band Battles für das Female Metal Event 2018 wurden Elysian Gates. Sie konnten sowohl das Publikum als auch die Jury überzeugen. Herzlichen Glückwunsch an die Musiker aus Luxemburg. Den zweiten Halbfinalplatz sicherten sich in einem Photo-Finish TheGuardian. Ein Klasse-Wochenende auf Malta ist vorbei. Ein großes Dankeschön geht an die Organisatoren des Festivals, die maltesische Band MartYriuM. Bei dem abwechslungsreichen Lineup war sicherlich für jeden Musikgeschmack etwas dabei. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Herzlichkeit, mit der man auf Malta empfangen wird. Für das nächste VOTS würde ich mir wünschen, dass mehr Fans den Weg ins Château Buskett finden. Und es wäre eventuell sinnvoll eine Band weniger auftreten zu lassen. Je später es wurde, desto weniger Fans waren anwesend. Und es ist etwas schade für die Headliner, wenn sie vor einem fast leeren Saal spielen müssen.

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